Text zu Bloody Mary

Die Religionspolitik von Mary I, Königin von England (Auszug aus Wikipedia)

Maria hatte die Entscheidung ihres Vaters, die englische Kirche von der römisch-katholischen abzuspalten, immer abgelehnt. Als Königin widmete sie sich daher vor allem der Religionspolitik. Zu Beginn ihrer Herrschaft war Maria jedoch entgegen ihres Rufes an Verständigung und Toleranz interessiert. In ihrer ersten Proklamation ließ sie verkünden:
„Ihre Majestät kann nicht jene Religion verbergen, zu der sie sich vor Gott und der Welt seit ihrer frühen Kindheit bekannt hat und die ihre Majestät nach wie vor befolgen will. Ihre Hoheit wäre glücklich, wenn all ihre Untertanen die selbe (Religion) friedlich und mildtätig annehmen würden. Und dennoch wünscht ihre Majestät ihre Untertanen nicht dazu zu zwingen, bis ein diesbezüglicher Parlamentsbeschluss vorliegt.“

Dennoch leitete Maria bereits erste Schritte in den Weg, um die Versöhnung mit Rom herbeizuführen. Im August 1553 schrieb sie an Papst Julius III., um eine Aufhebung des Kirchenbanns zu erreichen, der seit Heinrich VIII. auf England lag und versicherte dem Papst, dass sie per Parlamentsakt „viele widernatürliche Gesetze, erschaffen von meinen Vorgängern“ aufheben würde.Daraufhin ernannte der Papst Kardinal Reginald Pole zum päpstlichen Legaten in England. Pole war ein entfernter Verwandter Marias, der Sohn ihrer Erzieherin Margaret Pole, der zur Zeit ihrer Thronbesteigung in Rom weilte. Maria wollte religiöse Änderungen nicht ohne Parlamentsbeschluss durchführen und tolerierte darum zunächst Protestanten. Eine Ausnahme stellte jedoch ihre Schwester Elisabeth dar, die Maria aus politischen Gründen zum Katholizismus bekehren wollte. Solange Maria unverheiratet und kinderlos war, war Elisabeth die Thronerbin und Maria wollte sich eine katholische Thronfolge sichern. Da Elisabeth nur unter Druck die Messe besuchte, überlegte Maria eine Zeit lang ernsthaft, stattdessen ihre katholische Cousine Margaret Douglas als ihre Nachfolgerin zu benennen.
In ihrer ersten Parlamentssitzung ließ Maria nicht nur die Ehe ihrer Eltern für gültig und legitim erklären, sondern auch Eduards Religionsgesetze aufheben. Damit galten wieder die Kirchengesetze aus den letzten Regierungsjahren Heinrich VIII. Doch während das Parlament kein Problem damit hatte, religiöse Zeremonien und Bräuche wieder einzuführen, sperrte es sich vehement dagegen, erneut die Hoheit des Papstes anzuerkennen und Kirchenländereien zurückzugeben. Viele der Parlamentarier hatten von diesen Ländereien profitiert und sahen in einer Wiederherstellung der päpstlichen Autorität eine Bedrohung ihres eigenen Wohlstandes. So gab Maria zunächst die von Heinrich VIII. beschlagnahmten klösterlichen Ländereien, die sich noch im Besitz der Krone befanden, an Franziskaner und Dominikaner zurück. Auch war sie aufgrund des Widerstands des Parlaments gezwungen, gegen ihren Willen vorläufig das Oberhaupt der englischen Kirche zu bleiben.

Eine der großen Schwierigkeiten, der sich Maria stellen musste, war die Tatsache, dass es nur wenige Geistliche gab, die ihren Ansprüchen entsprachen. Unter Eduard hatte es keine systematische Ausbildung des Klerus gegeben und viele der protestantischen Geistlichen waren verheiratet und somit für die katholische Kirche nicht tragbar.[73] Unterstützt wurde sie in ihren Bestrebungen vom Lordkanzler Stephan Gardiner, dem Bischof von London Edmund Bonner und, zunächst in Briefen, ab 1554 persönlich, von Reginald Pole, den sie nach seiner Ankunft zum Erzbischof von Canterbury ernannte. Am 30. November 1554 erteilte Pole offiziell als päpstlicher Gesandter England die Absolution und nahm das Land wieder in den Schoß der Kirche auf. Mit Hilfe des Konzils von Trient hoffte Pole die klerikale Ausbildung zu reformieren und England eine gut ausgebildete, katholische Priesterschaft zu geben. Allerdings benötigten diese Reformen Zeit.
Sowohl Pole als auch Maria waren der Überzeugung, dass die Bevölkerung lediglich durch einige wenige zum Protestantismus verleitet worden war.Im Jahr 1555 wurden darum die Ketzergesetze aus dem 14. Jahrhundert wieder eingeführt. Die ersten Protestanten wurden wegen Ketzerei verurteilt und verbrannt. Einige der protestantischen Bischöfe, die nicht ins Ausland geflohen waren, fanden ihr Ende auf dem Scheiterhaufen, allen voran der verheiratete Priester John Rogers, der Bischof von Gloucester John Hooper, Hugh Latimer und Nicholas Ridley. Im Jahr 1556 folgte ihnen Erzbischof Thomas Cranmer, dem Maria die Annullierung der Ehe ihrer Eltern niemals verziehen hatte. Er war das einzige bekannte Opfer der Verbrennungen, auf dessen Tod Maria ausdrücklich bestand, trotz seines Widerrufs und seiner Anerkennung der päpstlichen Autorität. Bei allen anderen Verbrennungen legte Maria Wert darauf, dass die Hinrichtungen ohne Rachsucht und dem Gesetz entsprechend vollzogen wurden. Auch bestand sie darauf, dass je ein Mitglied ihres Rates als Zeuge bei Verbrennungen anwesend sein sollte und dass während der Hinrichtungen Gottesdienste abgehalten wurden.

Es zeigte sich dennoch schnell, dass die Verbrennung der Anführer allein nicht genügen würde, um den Protestantismus auszurotten. Der Katholizismus fasste schwerer Fuß in den einfachen Gemeinden, als die Königin geglaubt hatte. Zum einen hatte sich das einfache Volk daran gewöhnt, nicht länger dem Papst unterstellt zu sein, zum anderen fehlte es an Geld, um die einzelnen Gemeindekirchen wieder nach katholischen Ansprüchen auszustatten. Viele Gemeinden waren nicht in der Lage, steinerne Altäre, Priestergewänder und kostbare Gefäße anzuschaffen und weigerten sich, mit Marias Gesandten zu kooperieren.
Die Verfolgungen weiteten sich auf die einfache Bevölkerung aus. Insbesondere Bonner machte sich unter den Protestanten schnell einen Namen als Ketzerjäger, da er von Anfang an die Namen derer wissen wollte, die während der Messe unaufmerksam waren, nicht an Prozessionen teilnahmen oder die Speisegebote der Fastenzeit verletzten. Während die Bischöfe die Verhöre der Angeklagten übernahmen, wurden die Verhaftungen und letztendlich auch die Verbrennungen von den lokalen weltlichen Behörden durchgeführt, die ihrer Aufgabe unterschiedlich sorgfältig nachkamen. So wurden von den ca. 290 Opfern allein 113 in London verbrannt. In anderen Fällen zeigten sich die weltlichen Behörden sehr unwillig und ließen sich nur auf Druck des Kronrats bewegen, Verbrennungen zu arrangieren. Insgesamt fanden fast 300 Menschen den Tod auf dem Scheiterhaufen. Die mit den öffentlichen Verbrennungen bezweckte Abschreckung setzte jedoch nicht ein. Stattdessen empfand die Bevölkerung zunehmend Sympathie für die protestantischen Märtyrer, deren Verfolgung über drei Jahre anhielt. Innerhalb wie außerhalb Englands wuchs die Zahl der Gegner Marias, insbesondere durch die Schriften und Druckerzeugnisse protestantischer Exilanten.
Im England des 16. Jahrhunderts waren religiöse Verfolgungen keine Seltenheit. Unter Eduard VI. sowie Elisabeth I. wurden Katholiken verfolgt und hingerichtet, während es unter Heinrich VIII. sowohl Protestanten als auch papsttreue Katholiken waren. Insgesamt betrachtet waren die religiösen Verfolgungen in England keinesfalls schlimmer als auf dem Kontinent. Allerdings fanden sie in England in den 1550ern deutlich häufiger statt als in anderen Ländern. Auch handelte es sich bei den Verurteilten nicht um die Extremisten und Fanatiker, die auf dem Kontinent auf dem Scheiterhaufen endeten, sondern um einfache Leute, die lediglich die jahrelangen Religionsgesetze befolgt hatten. Zusätzlich erhielten die Verbrennungen eine politische Dimension. Durch Marias unbeliebte Heirat mit Philipp wurden unliebsame Änderungen oft auf die Spanier geschoben. Somit wurden die Protestanten, die sich weigerten zu widerrufen, schnell zu einem Symbol des Widerstands patriotischer Engländer gegen das verhasste Spanien. Allerdings können die Spanier nicht komplett für die Religionspolitik verantwortlich gemacht werden, da Philipps Beichtvater, Alfonso de Castro, die Verbrennungen mit Philipps Erlaubnis in einem Gottesdienst attackierte. „Sie lernten nicht aus der Heiligen Schrift, irgendjemanden aus Gewissensgründen zu verbrennen, sondern im Gegenteil, dass jene leben und bekehrt werden sollten.“

Historiker sind sich uneins, wer die tatsächliche Verantwortung für die Verbrennungen trägt. John Foxe betrachtete Bonner als einen der schlimmsten Ketzerjäger, allerdings war Bonner eher daran interessiert, Verdächtige zum Widerruf zu bewegen als sie zu verbrennen. Pole berief sich zwar auf die Verbrennungen, um dem neuen Papst Paul IV. zu beweisen, dass er selbst kein Ketzer war, wurde jedoch selbst von Foxe als „keiner der blutigen, grausamen Sorte der Papisten“ bezeichnet. Pole erkannte recht schnell, wie unpopulär die Hinrichtungen waren. Allerdings kritisiert Prescott, dass er auch keinen Versuch unternahm, diesbezüglich Einfluss auf die Königin zu nehmen, die stets großen Wert auf seinen Rat legte. Gardiner, dem sehr daran gelegen war, die alte Ordnung wieder herzustellen, stimmte zwar für die Wiedereinführung der Ketzergesetze, zog sich jedoch nach der Verbrennung der wichtigsten Protestanten aus der Ketzerjagd zurück.
Bei manchen Gelegenheiten zeigten sich die weltlichen Behörden deutlich energischer in der Ketzerjagd als die Geistlichkeit. Prescott weist darauf hin, dass in den ersten sechs Monaten der Ketzerverfolgungen die Bischöfe von der Krone für angebliche Faulheit gerügt wurden, während sich diverse weltliche Richter und Sheriffs als eifrige Ketzerjäger einen Namen machten.Auch der Kronrat zeigte sich zumindest duldsam gegenüber den Hinrichtungen, denn Ratsmitglieder ermutigten Bonner, die Verfolgungen fortzusetzen.Peter Marshall weist auf die Möglichkeit hin, dass die Verbrennungen nach der Hinrichtung der prominenten Protestanten eine Eigendynamik entwickelten, hauptsächlich weil es keine klare Ausrichtung gab.
Inwieweit Maria in die Verbrennungen persönlich involviert war, lässt sich nicht mehr mit Bestimmtheit feststellen. Ihren eigenen Worten zufolge war sie dafür, die Rädelsführer zu verbrennen, das einfache Volk wollte sie allerdings lieber sanft bekehren.Marshall gibt zu bedenken, dass sie Ketzerei zutiefst verabscheute und aufgrund der Demütigungen in ihrer Jugend einen persönlichen Groll gegen Cranmer hegte. Auch berichtete der venezianische Botschafter Soranzo, wie standhaft Maria sich unter ihrem Bruder geweigert hatte, ihrem Glauben abzuschwören. „Ihr Glaube, in den sie geboren wurde, ist so stark, dass sie ihn auf dem Scheiterhaufen zur Schau gestellt hätte, hätte sich die Gelegenheit ergeben.“ Es ist daher durchaus möglich, dass Maria persönlich die Verbrennungen vorantrieb. Eine königliche Order an Bonner vom 24. Mai 1555 befahl ihm, mit Ketzern schneller zu verfahren und keine Zeit zu verschwenden. Allerdings wird von Prescott angeführt, dass Maria sich zu diesem Zeitpunkt bereits für die Geburt ihres Kindes von allen Staatsgeschäften zurückgezogen hatte. Damit besteht die Möglichkeit, dass zumindest in diesem Zeitraum sämtliche königliche Anordnungen von Philipp und dem Kronrat verabschiedet wurden.Fest steht, dass die Königin die Verfolgungen jederzeit hätte beenden können. In der protestantischen Propaganda erhielt sie daher den Spitznamen Bloody Mary, zu deutsch blutige Maria.

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